Jeden Tag bin ich mit dem Auto unterwegs, beruflich, drauf angewiesen, weil Lieferant. Ich bin also der mit dem man unzufrieden ist, wenn irgendwas nicht rechtzeitig da ist. Ich bin übrigens auch der, der sich ein Ticket einfängt, weil er in der 2ten Reihe steht, da die Lieferzone durch Brötchenholer oder "Nur-kurz"-Leute blockiert ist. Das sind auch meist die gleichen Leute, die sich über Lieferanten beschweren.
Das ist aber gar nicht das Thema. Es geht vielmehr darum, was ich jeden Tag im Strassenverkehr erlebe...
Am besten fang ich mit Arbeitsbeginn an, also morgens auf dem Weg zur Arbeit. Ich fahre in Richtung Zentrum, also bin ich nicht der einzige. Zur gleichen Zeit sind LKW's zur Baustelle unterwegs oder bringen Ware in die Supermärkte. Dann hätten wir noch Paketzusteller mit ihren Transportern, und Berufstätige auf dem Weg zur Arbeit mit ihrem PKW. So ein vollbeladener Baustellen-LKW braucht ja schon eine Weile, bis er in Schwung kommt. Versteh ich auch. Aber müssen die sich nun am frühen morgen schon auf 3 Spuren breitmachen, und den Verkehr teilweise zum erliegen bringen? Denke mal nicht.
Die Paketzusteller haben es eilig, seh ich ein, aber trotzdem sollten sie untereinander keine Wettrennen im Berufsverkehr veranstalten, und anderen Autos bei 50 oder 60 km/h bis auf eins zwei Meter auf die Pelle rücken.
Unverdrossen gesellen sich dann noch die anderen dazu, mit grossen und kleinen PKW's. Die während der Fahrt telefonierende oder tickernde Übermama, das Kind als Beifahrer Scheibe spielend auf dem Rücksitz. Der BWM-Fahrer, der trotz nasser Fahrbahn zum Lückenspringer wird, Der Benz oder SUV-Fahrer, der beim Lückenspringen auch nicht mehr blinken brauch, der drängelnde Kleinwagenfahrer, dem es egal ist das ein Auto noch neben ihm fährt, davor und dahinter aber keine Lücke ist. So, mittlerweile bin ich fast auf Arbeit, nur noch eine Kreuzung. Die hats aber in sich. Fast täglich kommt man hier mit der Vorfahrtsregelung nicht klar. Gleichberechtigt, aber Vorfahrt gewähren für Strassenbahn. Eigentlich ganz einfach, Rechts vor Links. Nee, so einfach ist es eben nicht. Manche Leute bemerken nicht, das die Strasse auf der sie sind gar kein Hauptstrassenschild hat, wohl aber sehen sie (an der Form), das die andere ein Vorfahrt-gewähren-Schild hat. Da ist also alles von hupen bis Vogelzeigen oder Vorfahrt nehmen alles drin. So, nur noch in die Zufahrt zum Ärztehaus, und ich bin da...
Ahja, da steht einer in der Lieferanten-Krankenwagen-Feuerwehr-Zufahrt, "nur kurz", versteht sich von selbst. Man wartet auf einen Zusteigenden, und hinter mir der Krankentransport, der dort jemanden abliefern muss. Ok, der Zusteigende ist endlich da, ab zum Lieferanteneingang. Na toll, lauter PKW's von Patienten...
Sprüche wie 'Ich muss ja irgendwo parken' oder 'Ich finde hier nirgends einen Parkplatz' sind dauernd zu hören. Ist ja ok, aber ich muss wegen denen manchnmal 200 Kilo den Berg raufschieben, die Krankentransporte können die Bettlegerichen nicht unter dem Schutz des Vordaches abliefern, die Müllabfuhr kommt nicht an die Mülltonnen. Steht man mal in der Durchfahrt, und ein PKW kommt nicht raus, muss man sich auch noch blöde kommen lassen. Das an der Einfahrt ausdrücklich die Durchfahrt und das parken privater Fahrzeuge verboten ist, interessiert nicht, stehen ja alle "nur kurz" da.
So, beladen, nun ausliefern. Verdammt, da steht schon wieder einer in der Ausfahrt...
Erste Baustelle, Reissverschluss ist angesagt. 50 Meter vor dem Hinderniss tuttert ein Frau rum, weil ich sie nicht reinlasse, hinter ihr wird schon gehupt, weil sie nicht bis an das Hinderniss fährt, und sich dann einordnet. So sollte es auch sein, wissen scheinbar viele nicht. Erste Ausladestelle, Halteverbot, ausser Krankenwagen und Lieferanten, Platz für 2 Transporter. Denkste, da steht einer genau in der Mitte, weder Krankenwagen noch Lieferant. Ein ignoranter betgater Mann sitzt drin, reagiert auf gar nix. Selbst beim fragen ob er mal vor oder zurückfährt. Nee, blöde Antwort :"Nur kurz, ich warte auf meine Frau". Ich kann dieses "nur kurz" echt nicht mehr hören. Ok, ich stell mich hinter den Ignoranten, und muss mich durch die Fahrräder kämpfen. Welcher Spezi sich das ausgedacht hat, Fahrradständer direkt in der Ausladezone...
Weiter gehts, 2 Querstrassen weiter. hier war man clever, die Strasse ist gute 400 meter lang, es gibt eine Ausladezone, die ist in der Mitte. Egal, dafür ist sie frei. Also juckel ich über diese im wahrsten Sinne des Wortes Buckelpiste die 150 Meter mit der vollen Sackkarre. Der Weg ist 2 Meter breit, und jedes Kaffee beansprucht trotzdem noch 1,50m für Stühle draussen. Janz toll, ist auch ganz wenig Fussgängerverkehr. Und die erwarten natürlich, das ich mit der Sackkarre warte und Platz mache, oder bleiben einfach vor einem stehen und gucken einen noch blöde an...
Mittagszeit, Strassen gewohnt voll, oder leer, wie man will. Ab in den Bezirk, wo Radfahrer offensichtlich ihre eigene StVO haben. Die kommen von allen Seiten, Rechts vor Links kennen die nicht, manche fahren auf der Strasse, die anderen auf dem Radweg, und der Rest auf dem Fussweg. Einige davon nutzen jede möglichkeit. Hoch, runter, rüber, durch die Autos, Querfeld ein. Rote Ampeln werden übersehen. Und wehe man sagt was, oder hupt...
Kurz raus aus der Stadt, schöne Alleen, kurvig, unübersichtlich, manchmal hügelig. Eine etwas betagtere Frau muss die Idylle zerstören, überholt noch vor der unübersichtlichen Kurve, der Gegenverkehr bremst. Naja, wie sagt die Werbung >> "Wo ein Q ist... << Der letzte Unfall dort ist erst ne Woche her...
Wieder rein in die Stadt, Heimweg. Auf der langen Strasse ist alles sehr gut gekennzeichnet. Spuren, Geschwindigkeit, Sperrstreifen, alles da. Könnte so schön sein, wenn nicht schon an der ersten Kreuzung der ellenlange Stau wäre. Einige lassen sich nicht davon beirren, fahren auf die Linksabbiegerspur, richten sich für ihren Start nach der Radfahrerampel. Nur blöd, wenn die von der Gegenseite das gleiche machen. 50er Strecke, einige nervöse peilen schon die Möglichkeit zum überholen an, wo gar keine ist. 2 Verkehrsinseln und ein Sperrstreifen verhindern das, und der Gegenverkehr. Ist kein Gegenverkehr da, dann wird auf diesen 100 Metern aber Stoff gegeben was das Zeug hält.
Und jetzt eine ganz tolle Kreuzung, vorallem für Linksabbieger. Fährt auch nur einer von der Gegenfahrbahn bei Gelb, bekommt die Strassenbahn schon grün, und die Linksabbieger bleiben auf der Kreuzung stehen. Ist die Bahn weg, fahren schon alle anderen, und die Linksabbieger blockieren die Kreuzung, weil sie nicht wegkommen.
So fast zu Hause, die Strasse ist wie eine Rennstrecke, gerade, keine Hindernisse. Naja Hindernisse stimmt hier nicht so ganz. Eine Seite hat nur einen Fahrstreifen, die andere fast zwei. Und diese fast zwei werden auch genutzt, sehr zum Ärgernis der Gegenfahrbahn. Dort ist zum ausweichen kein Platz, und trotzdem machen sich die anderen so breit, das man besser immer bremsbereit ist. Ausserdem kommen aus den 3 oder 4 Ausfahrten die LKW's manchmal so schnell rausgebrettert...
Noch 2 Kreuzungen...
Die erste ist etwas kniffelig. Der von Rechts kommende müsste hier den von Linkskommenden vorlassen, sonst geht da gar nix mehr. Dort klappt es aber wenigstens mit Handzeichen. Weiter die Strasse runter kommt eine sehr unübersichtliche Kurve, da fährt jeder sehr langsam. Manchmal steh aber einer direkt vor oder direkt hinter der Kurve. Steh jemand davor, muss man Angst haben, ein entgegenkommender sieht einen nicht. Steht jemand dahinter, sieht man den erst, wenn man einen Meter davor steht. Viel Platz zum reagieren ist da nicht, vorallem im dunkeln...
Vorm Haus angekommen, da ist alles sehr kurios. Hier vergisst anscheinend jeder die StVO. Das Einfahrt-verboten-Schild wird selbst in Gegenwart der Polizei ignoriert, Rechts vor Links ist hier was für Nerds, und selbst der Wendekreis wird trotz offensichtlicher Fahrtrichtung (man fährt rechts und parkt dann auch so) von vielen verkehrtherum befahren, und meckern dann noch, wenn einem da jemand entgegenkommt. Auf der Strasse vor dem Haus parken auch manchmal welche verkehrherum, und wundern sich über das Ticket was darauf folgt.
Das war jetzt nur ein Tag, man kann sich also durchaus vorstellen, was ich tagtäglich in abgewandelten Formen erlebe.
Blaulicht im Anflug, alle machen Platz. Schön anzusehen, wenns denn mal klappt. Aber es ist immer einer dabei, der alles durcheinanderbringt, und aus der Gasse seinen Vorteil ziehen möchte, oder die Triefnasen, die die eben frei gewordenen Gasse durch irgendein blödes Manöver blockieren...
Rennfahrer, die von sich so überzeugt sind, selbst bei schlechter Sicht und nasser Fahrbahn bei 50 km/h dem Vordermann schon regelrecht auf der Heckklappe sitzen...
Radfahrer, die sich Todesmutig in den Verkehr stürzen, Rote Ampeln überfahren, kreuz und quer durch die Autos hangeln, statt vorhandene Radwege zu nutzen. Oder ohne Beleuchtung mit dunkler Kleidung im dunklen fahren...
Fussgänger, die so gespannt auf ihr Handy blicken, und ganz vergessen, was da um sie rum geschieht, und völlig abwesend auf die Strasse laufen...
Helden, die trotz roter Ampeln noch schnell vor herannahenden Bahnen oder Autos auf die andere Strassenseite hechten...
"Nur kurz"-Sager, die Feuerwehrzufahrten blockieren, und es dann doch länger dauert...
Auf Gleisen-Parker, "nur kurz" versteht sich, die den Strassenbahnverkehr zum erliegen bringen...
Die "mein Auto hat nen riesen Wendekreis"-Abbieger, die kurz vor dem abbiegen mal eben kräftig nach rechts oder links ausholen. Selbst wenn nur der Spiegel des Autos auf der Nachbarspur fliegt, kostet auch Geld. Schlimmer noch, wenn der Fahrer der Nebenspur vor Schreck eine Vollbremsung hinlegt...
Die "nach dem überholen vor dem wieder einscheren"-Bremser, selbst wenn die Strecke völlig frei ist...
Die Vordrängler, die im Stau nicht die vorgesehene Spur nehmen, und den Nachfolgeverkehr behindern, nur um 20 Sekunden schneller zu sein...
Manche Dinge mögen auf den ersten Blick vielleicht gar nicht soooo schlimm sein. Man stelle sich aber mal vor, man ist den ganzen Tag unterwegs, und erlebt das jeden Tag aufs neue. Andere verstehen das vielleicht nicht, aber man selber wird dann irgendwann auch genervt, und vllt auch ein stückweit aggressiv, weils einfach mal zuviel ist. In dem Moment, wo du denkst, jetzt wird alles gut, kommt ein Radfahrer von hinten, drängelt sich auf 30cm durch die Autos nur um der erste zu sein, und hält dann den Vekehr auf...
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acs14.12.16, 20:54 |