Ich bin einer davon, na und?
Gestern hab ich ein Bericht gesehen, in dem ging es eben um Lieferanten. Da sagt doch tatsächlich eine Frau:"Lieferanten sind unmöglich, die stehen und parken wo sie wollen. Verstehen kann ich das, die stehen ja auch unter Druck"
Desweiteren sagt der Kommentator:"Ganz unschuldig ist der Gesetzgeber nicht, durch eingeschränkte Lieferzonen, die zeitlich begrenzt sind zum Beispiel."
Zur Frau: Das ist schön, das Sie bemerken, das Lieferanten unter Druck stehen. Das ist aber nicht der Grund dafür, das "wir" stehen und parken wo wir wollen. Zum Kommentator: Ja, das ist aber nur ein Grund dafür.
Was hat man in dem Bericht mit keinem Wort erwähnt? Richtig, Falschparker, fehlende oder unsinnige Lieferzonen, Baustellen und sonstige örtliche Begebenheiten.
Problem 1, die Falschparker: Rücksichtslos, in der einzigen zu findenden Lieferzone zu parkenoder in Zufahrten. Was einem dann bleibt ist, sich eben daneben zu stellen, also in 2ter Reihe. Ja, ist verboten, gibts Ticket. Dem Ordnungsamt ist das natürlich völlig egal, ob Du lieferst oder nicht. Was sagt der Falschparker (ich hasse diesen Spruch):"Ich wollte nur kurz..." Oder neulich in einer Lieferzone, da sagt der Patient, ihm blieb nix anderes übrig, er hatte nen Termin, und fand keinen Parkplatz. Aha, nimmt man eben die Liefer- und Haltezone für Lieferanten und Krankenwagen. An einem Heim gibt es eine Zufahrt für Krankenwagen, Feuerwehr und Lieferanten. Dort wird auch mal eben geparkt, was natürlich zu Problemen führt. Ein Kommentar eines dort parkenden:" Ich wusste nicht wo ich sonst parken soll". Ok, das könnte ich jetzt noch weiter führen, kommt aber immer aufs gleiche raus. Wir wollen gar nicht parken wo wir wollen, uns bleibt manchmal gar nix anderes übrig. Und bestraft werden wir dafür auch! Und wehe, der Kunde bekommt seine Lieferung zu spät, dann ist man doppelt gestraft.
Problem 2, Fehlende und unsinnige Lieferzonen: Berlin, Dircksenstrasse, dort ist das Ordnungsamt ständig. es gibt auf 500 Meter 2 Lieferzonen, wo 2 PKW reinpassen. es gibt aber gut 25 Geschäfte und noch mehrere Firmen dort. Mal abgesehen davon, das sich Paletten auf Hubwagen dort gar nicht bewegen lassen, weil der Weg aus Stolpersteinen besteht, und durch Cafes teilweise recht schmal ist, ist der Weg zum Kunden bis zu 150 Meter weit. Janz toll! Oder Weydinger Strasse, Liefer- und Haltezone für Krankenwagen und Lieferanten, 2 grosse Transporter passen dort hin. Patienten parken dort übrigens auch, aber das ist nur ein Problem. Dort sitzen glaube 12 Ärzte, und eine Apotheke. Dort werden Patienten teilweise mit Krankentransporten hingebracht, oder die Lieferanten, weil ohne Material kann der Arzt nicht arbeiten. Dort war man ganz clever, man kann dort schlecht bis gar nicht ausladen, denn man hat die Fahrradständer genau an die Bordsteinkante platziert. Da das die einzigen weit und breit sind, stehen natürlich entsprechend viele Fahrräder dort, und kommt gar nicht an seine Ladung, oder nicht durch. Ich hätte dort einmal ein Ticket kassiert, weil ich vor der Lieferzone stand. Ich erklärte das Debakel mit den Fahrrädern, und die nette Ordnungsamtfrau sah das sogar ein, das dort Mist gebaut wurde. Änderte aber nix an der Tatsache, das ich woanders ausladen sollte. Na Prima, aber n Auge zudrücken hätte mir mehr geholfen, statt dann einen weiteren Laufweg zu haben.
Problem 3, Baustellen uns sonstige Begebenheiten: Was tun, wenn die Strasse wo der Kunde sitzt eine Baustelle ist, oder Fahrbahneingung oder ähnliches? Na man parkt entweder aufm Fussweg, das ärgert die Fussgänger. Oder aufm Radweg, das ärgert die Radfahrer. Oder man beisst in den sauren Apfel, und juckelt mit der Lieferung 300 Meter weit. Das ärgert mich, und kostet Zeit, die ich nicht hab, denn ich muss ja noch auf Leute Rücksicht nehmen, die mal eben kurz...
Paradebeispiel für alles auf einmal (ausser Baustelle): Blankenburg, Bahnhofstrasse, eine Katastrophe für jeden, der irgendwie mit Auto kommt. Das Haus ist gute 200 Meter lang. Auf der einen Seite sind 13 Parkplätze, davon 3 für Behinderte, 5 für die Ärzte, und 5 für jedermann. Die Einfahrt ist schmal, und durch Poller eingegrenzt. Da wird schon mit meinem Auto schlecht beim reinfahren, und auf den Parkplatz einbiegen. Ist dort alles voll, hab ich Pech, oder ich nehme eine der freien reservierten Plätze, und bekomme Ärger. Vor dem Haus ist die Strasse, absolutes Halteverbot, auf einer Seite ein schmaler Fussweg, auf der anderen Seite Radweg und Fussweg. Und da fahren viele Radfahrer, und ne Menge Fussgänger latschen da rum, halten auf der Strasse geht nicht, weil dann nur noch eine Spur für 2 Richtungen auf der viel befahrenen Strasse frei ist, also wird man egal wo zum Hinderniss. Die letzte Möglichkeit wäre eine weitere Einfahrt, wo seitlich noch eine Parkfläche ist, für ein Auto, und die ist auch für einen Arzt reserviert. Einmal stand ich da, naja und der Arzt kam natürlich promt. Aber das ist noch nicht alles, denn das Haus steht in einer Senke. Am Anfang, in der Mitte (die ist total überflüssig), und am Ende gibt es eine Treppe. Um das ganze Behindertengerecht zu machen, war man nicht sehr clever. Der Parkplatz ist am Anfang des Hauses, der Zugang zur Rampe am Ende, und die geht dann einmal wieder bis fast zum Anfang des Hauses zurück. So, ich muss dort meist mit Sackkarre ausladen, also muss ich gerade dort Haltung bewahren, um nicht auszuflippen. Achso, eins noch, der Behindertenparkplatz ist umgeben von Rankerosen, also schön vorsichtig beim aussteigen, sonst tuts weh.
Bevor man sich also über Lieferanten beschwert, sollte man sich erstmal umschauen, wo das eigentliche Problem liegt. Die mit den "nur kurz"-Sprüchen und Lieferzonenblockierer, für euch gilt: auch ihr braucht mal nen Krankentransport, ne Feuerwehr, oder bekommt was geliefert, also "Fresse halten!"
Vom Ordnungsamt wäre etwas mehr Nachsicht wünschenswert. Vom Gesetzgeber wäre eine vereinfachte Ausstellung von Ausnahmegenehmigungen für ganz Berlin bzw generell wünschenswert, statt für jeden Bezirk ne andere. Ich bin in ganz Berlin unterwegs, bräuchte somit für jeden Bezirk so ein Teil. Ein Schild, das man ausliefert reicht nämlich nicht, für Lieferanten gelten die gleichen Regeln wie für jeden anderen Verkehrsteilnehmer (und das ist manchmal absoluter Mist)